Geld regiert die Welt?

Ronald Wendel Geld

Bill Gates oder Larry Page – fast jeder kennt diese Namen. Sicherlich weißt auch Du, dass Bill Gates einer der reichsten Menschen der Welt ist. Um kaum eine andere Person ranken sich so viele Verschwörungstheorien. Geld und Macht scheinen also stark zu polarisieren. Denn Geld regiert die Welt. Oder nicht?

Ronald Wendel – HR-Experte, Berater und Coach – WiesbadenBill Gates oder Larry Page – fast jeder kennt diese Namen. Sicherlich weißt auch Du, dass Bill Gates einer der reichsten Menschen der Welt ist. Um kaum eine andere Person ranken sich so viele Verschwörungstheorien. Geld und Macht scheinen also stark zu polarisieren. Denn Geld regiert die Welt. Oder nicht?

Jeder kennt diese Redewendung: „Geld regiert die Welt“. Doch was bedeutet das genau? Ganz einfach: Wer viel Geld hat, hat auch viel Macht und darf somit Vieles entscheiden. Klingt erstmal gut. Aber wenn man sich anschaut, was Menschen bereit sind, dafür zu tun, vergeht die Euphorie ganz schnell wieder.

So hat ProSieben ein Format namens „Balls – Für Geld mach ich alles“ gestartet. Hier geht es darum, dass die Kandidaten Aufgaben gestellt bekommen und  für die Ausführung entsprechend entlohnt werden. Um das Ausmaß kurz darzustellen: Ein Kandidat musste einen mit Haaren bedeckten Teppich ablecken, während ein anderer nackt einen Vortrag halten und ein weiterer sich in Kuhmist wälzen musste. Und das vor Publikum.

Diese Show polarisiert – natürlich. Doch sie stellt auch sehr gut dar, wie weit (einige, nicht alle) Menschen für Geld gehen würden. Auch gewisse andere Fernsehformate zeigen, dass teils alles (un-)Mögliche für mediale Aufmerksamkeit getan wird. Doch woher kommt diese offenbar tiefe Überzeugung, dass Geld und Ruhm uns glücklicher machen?

Wirtschaft ohne Geld?

Natürlich regiert Geld auf eine gewisse Art und Weise die Welt, allein die Wirtschaft würde ohne nicht funktionieren. Denn wie sollen wir sonst Dienstleistungen oder Waren erhalten oder anbieten? Was hätte einen ähnlichen Wert und wäre für uns – auf Dauer und noch dazu immer wieder – vorhanden und entbehrlich?

Ich gehe davon aus, dass auch Du weißt, wie wichtig Geld für die Wirtschaft ist. Doch wahrscheinlich wirst Du bei diesem Thema nicht in erster Linie daran denken, sondern vielmehr an einen sehr kleinen Teil dieses Systems und zwar an Dich selbst und Dein Umfeld.

Oder hast Du Dich noch nie bei Günther Jauch auf dem Stuhl sitzen sehen und von 6 Richtigen im Lotto fantasiert? Ich behaupte an dieser Stelle, dass wir alle das hin und wieder tun.

Was würdest Du tun, wenn du tatsächlich unbegrenzt Geld hättest?

Viele Menschen antworten mir auf diese Frage, dass sie sofort kündigen würden, vielleicht auswandern, eine Villa kaufen oder ein Auto. Und das möchte ich auch gar nicht kritisieren, denn ich möchte keine Grundsatzdiskussion eröffnen und darüber philosophieren, ob materielle Wünsche eine Berechtigung haben.

Zudem gibt es einige Menschen, die einen großen Teil spenden würden oder im Tierheim helfen, anstatt weiterhin Vollzeit im Büro zu sitzen. Doch darum geht es gar nicht. Sondern wir müssen für uns selbst erkennen, was wir wirklich wollen. Ist es tatsächlich Geld? Dann ist das okay. Aber oftmals steckt auch etwas Anderes dahinter.


Geld als Sündenbock

Egal was die Leute mit ihrem Reichtum anstellen würden, fast alle sind sich sicher, dass sie das glücklich machen würde. Ein Stück stimme ich da zu, denn Geld hat sicherlich das Potential uns glücklicher zu machen. Wir könnten damit zum Beispiel die unerwartete Zahnarztrechnung bezahlen oder tolle Urlaube machen. Generell würden sicherlich einige Sorgen wegfallen. 

„Das geht nicht. Aber wenn ich reich wäre“, hier folgt meist ein euphorisches Lachen, „dann würde ich sofort kündigen“. Fazit: ich bin nicht reich, also geht das nicht. Und deshalb bleibe ich da, wo ich bin und bemitleide mich selbst.

Aber jetzt komme ich und wage zu behaupten:Es geht.

Ich weiß, Millionär wird man selten über Nacht. „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, das kennen wir alle. Finanzielles Reichtum ist trotzdem – oder vielleicht auch gerade deswegen – für viele Menschen eine Utopie. Und das eignet sich perfekt als unbewusste Ausrede. Deshalb bemüht man sich nicht um einen anderen Job, lässt sich nicht scheiden oder geht sonst wie den ersten Schritt in Richtung Veränderung.

Die Frage aller Fragen

Ich möchte Dich nun noch einmal fragen: Was würdest Du tun, wenn Du unbegrenzt Geld hättest? Und was hält Dich aktuell wirklich davon ab? Ist es tatsächlich das teure Auto, was Dir fehlt? Dieses Beispiel ist jetzt natürlich sehr überspitzt, aber Du kannst das Ganze auf alle möglichen (bezahlbaren)Wünsche beziehen.

Was hält Dich z.B. davon ab, jetzt schon zu spenden? Denn es müssen nicht immer gleich Unsummen sein. Schon ein Beitrag von 1€ pro Monat kann in der Summe etwas bewirken. Du willst Dich scheiden lassen? Dann fehlt Dir womöglich nicht nur Geld. Vielleicht ist es die Gewohnheit, vielleicht Dein Gewissen oder Du hast Angst vor der Einsamkeit.

Was auch immer Deine Gründe sind, die Wahrscheinlichkeit, im Lotto zu gewinnen ist eher gering. Aber es ist dennoch möglich – wenn du auch spielst.  Glücklich machen kannst Du dich trotzdem nur selbst, denn dafür braucht es mehr als Geld. Klingt wie eine Floskel, ist auch eine. Aber deshalb nicht weniger wahr. Denn eine positive Einstellung ist oft schon die halbe Miete, mindestens. Und das Wichtigste: Gesundheit kann man ohnehin nicht kaufen.

Was bleibt zu sagen?

Es ist wohl wahr: Geld regiert die Welt und eignet sich daher ziemlich gut als Sündenbock. Doch der Grund für Deine Misere kann auch ein ganz anderer sein. Vielleicht willst Du aber auch tatsächlich das neue Auto und die Villa am Waldrand. All das ist erlaubt. Wichtig ist nur, dass Du es für Dich erkennst. Was sind DEINE wahren Beweggründe? Was hält Dich wirklich davon ab?

Falls Du jetzt immer noch der Überzeugung bist, dass Geld Deine Lösung ist, dann denke daran: Träumen ist gut, aber Handeln ist besser. Vielleicht hast Du aber auch herausgefunden, dass noch andere Einflüsse Dich von deinem Ziel abhalten. Auch das ist eine wichtige Erkenntis. In diesem Fall möchte ich mit einem Zitat von Winston Churchill schließen:


„Wenn Du durch die Hölle gehst, geh weiter“. 

Ronald Wendel

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