Achtsamkeit: Modeerscheinung oder wirklich sinnvoll?

Ronald Wendel Achtsamkeit

#achtsamkeit führt allein auf Instagram zu 998 Tausend Ergebnissen. Das englische Äquivalent #mindfulness ergibt sogar 21,3 Millionen Beiträge. Da könnte man glatt von einem Trend sprechen. Doch was kann dieser Trend? Lies hier, was Achtsamkeit  bedeutet und ob eine achtsame Haltung wirklich so #nice ist.


Achtsamkeit stammt ursprünglich aus dem buddhistischen Raum, doch man muss nicht gläubig sein, um diese Praxis für sich nutzen zu können. Die Begriffserklärung kann man eigentlich schon selbst ableiten. Denn Achtsamkeit heißt nichts anderes, als achtsam zu sein oder aufmerksam.

Aufmerksam? Bin ich fast immer! Zumindest glauben das die meisten Menschen. Doch ganz oft merken wir überhaupt nicht, wie wir uns in unseren Gedanken verlieren. Mit einem Mal warten wir dann nicht mehr auf den Bus, sondern sind im Geiste schon längst in der Zukunft. Vielleicht müssen wir noch die Wäsche machen oder einkaufen gehen. Stress! Der Bus soll kommen.

Kennst Du dieses Gefühl? Ungeduld, Ärger, vielleicht fühlst Du Dich gehetzt. Achtsamkeit kann zwar Deine Wohnung nicht für Dich putzen, aber Du kannst lernen, Dich weniger zu stressen. In der Bus-Situation könntest Du beispielsweise Deine Aufmerksamkeit auf den aktuellen Moment lenken. Weg von deinen Gedanken und Plänen.

Schau dich um, atme die Luft ein. Was siehst Du? Spüre, wie Du gerade auf dem Boden stehst. Vielleicht läufst Du ein paar Schritte und fühlst, wie sich das anfühlt. Hörst Du deine Schritte? Vielleicht auch das Rauschen der Straße oder menschliches Gemurmel. Komm an der Bushaltestelle an.

Im ersten Moment ist es wahrscheinlich komisch, so bewusst und aufmerksam zu sein. Deine gewohnten Gedanken werden sich wehren oder zumindest immer wieder kommen. Aber das ist gar nicht schlimm. Denn Achtsamkeit soll Dich in den Moment zurückbringen. Zurück zu dem, was gerade wirklich passiert. Ein Abschweifen ist völlig normal. Doch was bringt das?

Wer achtsam ist, merkt meist sehr bald, wenn Grübeleien und Gedanken uns mal wieder in ganz andere Dimensionen katapultieren. Unser Körper steht am Bus, doch psychisch sind wir ganz woanders. Die lächelnde Frau oder die bunten Blätter an den Bäumen fallen kaum auf. Wieso auch? Der Bus sollte schnell kommen, immerhin steht zu Hause noch einiges an Arbeit an.

In diesem Zusammenhang sei auf Eckhart Tolle verwiesen, sein Buch „Leben im Jetzt“ greift diese Thematik sehr ausführlich auf.


„Aber… ich bin achtsam genug“

 

Wie bereits angedeutet,  höre ich das recht oft und es ist natürlich schön zu hören, wie viele Menschen der Meinung sind, nicht allzu oft in einer Gedankenspirale zu verschwinden. Doch vielen von uns fällt gar nicht auf, wie wir unter der Dusche  schon mental beim Frühstück, im Auto oder gar auf der Arbeit sind. Immerhin sprechen wir hier von sehr komplexen und noch dazu automatisierten Gedanken, die unser Hirn einfach fabriziert. Ohne Fragen oder Ankündigung.

Je mehr wir Menschen in einer Routine stecken, desto weniger achtsam sind wir. Oder weißt Du noch genau, wie sich die Seife heute morgen auf Deiner Haut anfühlte, wie der Kaffee roch oder welche Autos auf Deiner Straße parkten? Wenn Du darauf achtest, etwas bewusster durch die Welt zu gehen, wirst Du immer wieder Neues entdecken und Dich von unnötigen Grübeleien abhalten können.

Der positive Effekt kommt aber leider nicht sofort. Denn unsere Muster und Gedanken sind so automatisiert und festgefahren, dass wir manchmal erst mittendrin bemerken, dass wir schon wieder weg sind. Da grübelt man wieder hin und her und merkt erst nach zwei Stunden, dass man schon wieder vollkommen raus aus der Gegenwart geflogen ist. Dies ist aber kein Grund, Dich zu ärgern.

Denn Du kannst üben, achtsamer zu werden. Nachdenken und Planen sind wichtige Ressourcen. Doch erlaube Dir auch Pausen. Und wenn Du denkst und planst, dann denke und plane. Ganz bewusst. Nichts anderes.

 

Also, ist Achtsamkeit nur ein Trend?

Nein. Und Achtsamkeit hat auch nichts mit Esoterik oder Zauberkram zu tun. Es ist vielmehr eine Technik, die wir für uns und unser Wohlbefinden anwenden können. Vieles von dem, worüber wir uns sorgen, wird niemals eintreten. Und wenn doch, dann wird nicht alles auf einmal passieren, richtig?

Eine volle Woche macht uns schon vor ihrem Beginn Stress. Vielleicht hast Du auch 5 Termine an einem Tag. Ganz egal. Atme durch, finde Deine Ruhe. Denn „jetzt ist jetzt“ , die Termine werden nicht alle gleichzeitig über Dir zusammenbrechen. Ein Termin nach dem Anderen.

In deinem Kopf passiert aber alles gleichzeitig, habe ich Recht? Das ist der Auslöser für Stress. Du bist nicht hier, sondern dort, denkst an alles anstatt eins (vgl. Eckhart Tolle!).Gerade bei Stress kann eingeübte Achtsamkeit sehr wohltuend sein und Entlastung schenken. Und das Beste daran: Jeder kann es lernen, zu jedem Zeitpunkt, in jedem Alter. Achtsamkeit funktioniert beim Zähneputzen, im Arbeitsstress, beim Einkaufen und in vollkommener Entspannung.

Ich möchte nun mit einer kleinen Geschichte abschließen. Leider ist der Autor nicht bekannt:


Einige Schüler fragen ihren Zen-Meister
warum er so zufrieden und glücklich ist:
Der Zen-Meister antwortet:
“Wenn ich stehe, dann stehe ich, wenn ich
gehe, dann gehe ich, wenn ich sitze, dann
sitze ich, wenn ich esse, dann esse ich,
wenn ich liebe, dann liebe ich …”
“Das tun wir auch, antworteten seine
Schüler, aber was machst Du darüber
 hinaus?” fragten sie erneut.
Der Meister erwiderte:
“Wenn ich stehe, dann stehe ich, wenn ich
gehe, dann gehe ich, wenn ich … ”
Wieder sagten seine Schüler:
“Aber das tun wir doch auch Meister!”
Er aber sagte zu seinen Schülern:
“Nein – wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon,
wenn ihr steht, dann lauft ihr schon, wenn
ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel.”

Wenn Du mehr über Achtsamkeit oder konkrete Methoden erfahren möchtest, kannst Du sehr gerne Kontakt mit mir aufnehmen. Ich biete individuelle Coachings und Beratungen für Unternehmen, Teams und Einzelpersonen.

Ronald Wendel

Ronald Wendel