Sehr geehrte Damen und Herren… sticht DEIN Anschreiben hervor?

Ronald Wendel Bewerbungsschreiben

Der Bewerbungsprozess ist aufregend, so gut wie jeder ist bei einem Vorstellungsgespräch nervös. Doch zu einem solchen Gespräch muss man zunächst eingeladen werden. Neben dem Lebenslauf und der Qualifikation hat auch das Anschreiben einen großen Einfluss darauf, welchen Eindruck man hinterlässt. Lies hier, wie Du ohne große Floskeln hervorstichst.


„Sehr geehrte Damen und Herren, mit großem Interesse bin ich auf die Stellenanzeige auf Ihrer Internetseite aufmerksam geworden. Hiermit möchte ich mich bei Ihnen als studentische Hilfskraft im im Bereich IT bewerben“ – sei ehrlich, hast Du das wirklich gelesen oder nur grob überflogen?

Vermutlich Letzteres, denn sonst wäre Dir aufgefallen, dass an einer Stelle zweimal hintereinander „im“ steht. Die Mehrheit der Menschen wird das ebenfalls übersehen haben, denn mal ehrlich: diese Floskeln sind nichts Besonderes und wir alle kennen sie auswendig. Niemand möchte das lesen.

Natürlich kommt kaum ein Anschreiben ohne Floskeln aus, immerhin gibt es nur eine begrenzte Begriffsauswahl, wenn man sich bewerben möchte. Das ist auch in Ordnung. Dennoch kann man, natürlich je nach Stellenprofil und Unternehmenskultur ruhig etwas individueller, menschlicher und lebhafter formulieren.

 

Kreative Ideen für individuelle Einstiegssätze

  • Fähigkeiten
  • persönliche Anekdote

 

Natürlich solltest Du dieses Sätze nicht unverändert für Dich übernehmen, Wortwahl und Ausdruck hängen schließlich nicht nur von dem ausschreibenden Unternehmen ab, sondern in erster Linie auch von Dir.  Das Anschreiben soll DICH repräsentieren, Du solltest Deinem eigenen Stil und auch Deiner Sprache daher auf jeden Fall treu bleiben.

Die Beispiele sollen Dir also nicht als Vorlage dienen, sondern Dich inspirieren. Ich möchte Dir damit zeigen, dass Du individuelle Besonderheiten oder Vorlieben ganz einfach schon in den ersten Satz einbauen und gleichzeitig auf die Stellenbeschreibung eingehen kannst, wenn Dir darin etwas Besonderes aufgefallen ist.

gezeichnete Personen, als Schatten dargestellt. Eine Person steht vorn und wird von einem Scheinwerfer angestrahlt.

 

Perspektivwechsel

Versetze Dich in den Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin hinein, worauf würdest Du in dieser Position Wert legen, welche Anforderungen stehen in der Stellenbeschreibung? Gehe darauf ein und nutze Ausdrücke wie „ich biete Ihnen“ oder „mit mir gewinnen Sie eine/n Mitarbeiter/in, …“.

Zeige dem Unternehmen, welchen Mehrwert Du bietest. Schließlich möchtest Du nicht nur die Stelle besetzen, sondern Du willst auch, dass das Unternehmen Dich will. Natürlich musst Du bei der Wahrheit bleiben, sonst hat am Ende niemand was davon.

Ein Tipp, falls Du nicht alle genannten Kriterien komplett erfüllst: Hebe in diesem Fall beispielsweise hervor, dass Du schnell lernst und belege dies am besten noch anhand einer Anekdote aus Deinem bisherigen Berufsleben, Du kannst an dieser Stelle zusätzlich auf eine entsprechende Stelle im Lebenslauf verweisen. So sparst Du Platz.

 

Du überzeugst, weil man es von Dir erwartet

Wahrscheinlich hast Du spätestens jetzt erkannt, dass eine Bewerbung ziemlich viel Arbeit bedeutet. Doch dieser Aufwand zahlt sich meistens aus. Deshalb solltest Du definitiv in den sauren Apfel beißen und jede Bewerbung individuell gestalten.

Natürlich muss eine „Eine-für-Alle“-Bewerbung (bei der lediglich  Namen und Adressen ausgetauscht werden) nicht unbedingt schlecht sein. Doch wenn Du sie wirklich mehreren Arbeitgeber_innen senden kannst, fehlt definitiv die Individualität und Du stichst nicht hervor.

Natürlich ist es möglich, dass Du auch mit einem unkreativen, „normalen“ Anschreiben eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhältst. Wenn Deine Bewerbung jedoch von Anfang an überzeugt hat und Du sehr individuell, aufgeweckt und kreativ eingeschätzt wurdest, führt das oft dazu, dass Du auch im Gespräch tendenziell besser bewertet wirst.


Dies liegt daran, dass der Recruiter oder die Recruiterin dies aufgrund Deiner guten Bewerbung schlicht und ergreifend erwartet. Kleine Fehler oder Unsicherheiten im Auftreten werden dann eher verziehen, man nennt dieses Phänomen in der Psychologie den „Halo-Effekt“ [2].

drei Frauen lachen gemeinsam

 

Der Schreibprozess

Zwar ist ein besonderes Anschreiben keine Garantie, doch es erhöht definitiv deine Chancen für einen nachhaltigen tendenziell positiven Eindruck. Wahrscheinlich fällt es Dir schwer, auf Anhieb ein solches Schreiben zu verfassen. Das ist normal.

Vielleicht schreibst Du zunächst einige Eigenarten über Dich auf (Stichwort: Ingwer-Tee) und schaust dann, ob es Sinn macht, diese in Deine Bewerbung zu integrieren. Auch kann es helfen, trotzdem einfach drauf los zu schreiben und immer wieder Anpassungen zu machen.

So entsteht aus deinem Brainstorming immer wieder ein neues Gerüst und im besten Fall kannst Du das so lange tun, bis Dein Schreiben fertig ist.  Auch kannst Du Freund_innen, Familie oder Arbeitskolleg_innen fragen, was Dich ihrer Meinung nach ausmacht. Gib ihnen dafür ruhig ein paar Tage Zeit, Du wirst überrascht sein.

 

Und tschüss

Es ist geschafft, Dein Schreiben ist fertig. Gut. Jetzt musst Du es nur noch in die richtige Form bringen, also einen Briefkopf erstellen, Datum und Betreffzeile hinzufügen und Dich verabschieden. Auch an dieser Stelle kannst Du dafür sorgen, einen positiven Eindruck zu hinterlassen.

Anstatt „Mit freundlichen Grüßen“ kannst Du beispielweise eine etwas weniger gängige Verabschiedung wählen, zum Beispiel: „Freundlich grüßt Sie“. Weiterhin solltest Du darauf achten, dass Dein Anschreiben in einem Gesamtdokument (möglichst pdf) mit den anderen Bewerbungsunterlagen zusammengefasst ist. Dies erleichtert die Sichtung.

Dieser Artikel ist natürlich noch kein fertiger Baukasten, sondern soll Dich lediglich dazu inspirieren, Dein Anschreiben genauso individuell zu gestalten, wie Dich. Zeige Deine Facetten, lasse in einem Nebensatz gerne auch deine Hobbies einfließen, zeige Dich menschlich, aber dennoch professionell.

 

Tipp: Es lohnt sich, für das Bewerbungsdesign Geld auszugeben. So wird Deine Bewerbung erst richtig individuell und vor allen Dingen einheitlich. Ich empfehle Dir das Programm Canva [1], die Anmeldung ist kostenlos und es gibt auch Features, die sich gratis nutzen lassen. Dies muss ich an dieser Stelle mit WERBUNG kennzeichnen, ich wurde jedoch weder angefragt, noch dafür bezahlt. Es ist keine Kooperation.

 

Du brauchst Hilfe bei Deiner Bewerbung oder hast andere Fragen zum Bewerbungsprozess? Ich bin Coach und Unternehmensberater und kenne daher beide Seiten, Deine und Die des Unternehmens. Gerne kannst Du mir eine unverbindliche Nachricht senden. Für mehr Inspiration ohne Kosten folge mir gerne auf Instagram @wendel.ronald

Weiterführende Quellen:

[1] Online Bewerbungsportal

https://www.online-bewerbungsportal.de

[2] Canva

https://www.canva.com

[3] Der Halo-Effekt

https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/halo-effekt/6232
Ronald Wendel

Ronald Wendel